Tomaten

Tomaten (Solanum lycopersicum), auch Paradeiser oder Paradiesapfel genannt, gehören zu den Nachtschattengewächsen und waren ursprünglich in Lateinamerika beheimatet. Seit dem 16. Jahrhundert werden sie auch in Europa angebaut und gezüchtet. Ungezählt sind inzwischen die Sorten, jedoch gehen durch die wenigen Saatgutmonopolisten viele alte und historische Sorten verloren. Das ist für viele Gärtner die Herausforderung und der Spaß, eigene Sämlinge heran zu ziehen und so die ein oder andere Sorte wieder zu entdecken, abseits des "Mainstreams". Viel Glück!

Egal ob die klassischen Tomaten oder Fleischtomaten, Kirsch- oder Cocktailtomaten, Busch- oder Stabtomaten, erlaubt ist was gefällt oder schmeckt. Denn der eigene Geschmack und die bevorzugte Verwendung sollten die Wahl der Sorten bestimmen. Nicht zuletzt sind die Ergebnisse der  Experimentierfreude oder die Überraschungen von Tauschaktionen, der Lohn für die Mühen der Aufzucht von Beginn bis zur Ernte.

Tomaten selber ziehen

Für das eigene Saatgut sollten nur reife und gesunde Tomaten verwendet werden. Die Tomate aufschneiden und die Samen heraus schaben.

Entweder mit dem Fruchtfleisch in ein Glas geben und Wasser drauf gießen. Innerhalb ein paar Tagen lösen sich die Samen von der glibberigen Masse und sinken zu Boden. Die Samen nun in einem Sieb unter laufendem Wasser von den möglichen Resten der Masse befreien und zum Trocknen zum Beispiel auf Küchenpapier legen.

Aber auch gleich auf einem Küchenpapier getrocknete Samen können wie mit einem Saatband zur Anzucht verwendet werden, das Keimen kann aber etwas länger dauern.

In einer Papiertüte trocken und dunkel bis zur weiteren Verwendung im Frühjahr aufbewahren.

VIEL GLÜCK!

 


Auf gute Nachbarschaft!

Neben der Pflanzennachbarschaft spielt auch die Fruchtfolge eine erhebliche Rolle bei der Standortwahl.

Tomaten sind einjährig und als Starkzehrer lieben sie ein gut gedüngtes Beet, sie möchten aber nicht immer an der selben Stelle gepflanzt werden, das liegt an Bodenschädlingen oder Krankheiten die sich sonst bilden können. Also öfter mal das Beet wechseln, zudem mögen sie kein Wasser von oben, also ein Dach wäre auch noch schön und frieren tun sie auch nicht gern. Schon ein bisschen zickig die knackige Rote oder Gelbe.

Gute Nachbarn sind:

Basilikum, Gelbe Rüben, Radieschen, Spinat, Kohl

Lieber nicht:

Kartoffeln, Erbsen, Fenchel


Aussaat und Anbau

- Getrocknete (Bio-) Samen aus der Tüte oder eigene vom letzten Jahr

- Ab Ende März bis Anfang April kann es losgehen mit der Vorkultur, also dem Aussähen auf der Fensterbank oder im Gewächshaus. Wenn es schön hell und um die 18 bis 20 Grad warm ist, dann sollten nach ca. 10 Tagen die Samen keimen. 

- Nach rund drei Wochen können die Pflänzchen pikiert werden, also dann Umsetzen in Töpfchen und gleichmäßig feucht halten.

- Tomaten vertragen keine Frost, darum unbedingt mit dem Auspflanzen ins Freiland bis nach den "Eisheiligen", Mitte bis Ende Mai, warten.

- Nach dem Umsetzen, gerne etwas tiefer, gut angießen

- und dann bis zum Wurzelansatz ein paar Tage trocken halten, das fördert das Wurzelwachstum.

- Gleich bei der Umpflanzung Rankstäbe, -schnüre oder -gitter anbringen.

- Regelmäßig mit nicht zu kaltem Wasser, am besten morgens gießen und nie austrocknen lassen.

- Besser nur den Bodenbereich wässern und nicht die Blätter, das verhindert Pilzkrankheiten wie Braunfäule.

- Der Boden um die Pflanzen darf gerne gemulcht werden, also mit Grasschnitt oder den ausgedünnten Blättern bedecken, dann trocknet der nicht zu schnell aus.

- Ab Beginn der Blütenbildung gut düngen, gerne mit Brennnessel- oder Beinwelljauche im Gießwasser.

- Aufbinden der hochschießenden Triebe

- "Ausgeizen" d.h. die oberen Triebe in den Blattachseln laufend entfernen, dann können mehr Früchte reifen.

- Im August die Triebspitzen kappen, damit die unteren Früchte reifen und nicht weitere Blütenstände entstehen, die eh nicht mehr reifen werden.

- Falls unten Blätter gelb werden, diese einfach abschneiden und entfernen.

Aussaat

Pikieren

Ausgeizen



Pflege - Ausgeizen, Düngen, Gießen

Tomaten – verdrehte Blätter, gleichmäßiges Gießen und Ausgeizen

Verdrehen und rollen sich die Blätter bei Tomaten und sind sie kräftig dunkelgrün, ist meist zu viel Dünger die Ursache. Tomaten sind Starkzehrer und brauchen viel Energie, aber bitte nicht übertreiben, weil sie sonst anfällig für Krankheiten und Läuse werden. – Trotzdem: mit Beginn der ersten Früchte brauchen sie viele Nährstoffe. Flüssig ergänzen wir beispielsweise mit Jauchen.

 

Auch muss auf eine gleichmäßige Wasserversorgung geachtet werden, sonst platzen die Früchte – vor allem in Kübeln!

 

Tomaten eintriebig zu erziehen, ist immer noch ratsam, damit die einzelnen Früchte gut ausreifen, die Pflanzen locker aufgebaut sind und bis spät in den Herbst gesund bleiben. Die Seitentriebe in den Blattachseln möglichst früh entfernen. – Sie können auch in der Jauche als Dünger landen.

Nicht ausgedünnt werden Buschtomaten, Zwerg/Balkontomaten oder die kleinfrüchtigen Wildtomaten (z.B. Johannisbeertomate, Obsttomate…).

 

Im Herbst bringt die kühl-feuchte Luft Tomaten an ihre Grenzen. Die Pflanzen sind allmählich erschöpft von vielen Früchten und damit anfällig für Krautfäule. Bevor die restliche Ernte in Gefahr ist, sollten die Früchte geerntet werden. Sie reifen im Zimmer liegend gut nach, erreichen aber nicht mehr das sommerliche Aroma. Gegen erste kalte Nächte helfen Vlies oder alte Decken. Dann können wir die meist folgenden warmen Tage noch ausnützen.

https://www.garten-traunstein.de/2021/06/01/gartenpraxis-juni/

Tomaten anbauen - ohne Gießen?

Dazu gibt es einen Gartentipp der Vielfaltsmacher: https://www.vielfaltsmacher.de/tomaten-anbauen-ohne-giessen/



Ernten und Lagern

- Grüne Tomaten nicht essen

- Wenn möglich bis zur sortentypischen Farbe reifen lassen, dann sind die Vitamine am meisten und die Geschmackstoffe am besten.

- Kurz vor dem ersten Frost die restlichen noch unreifen oder grünen Früchte abschneiden.

- Im Haus nachreifen lassen, aber nicht in den Kühlschrank legen.


Von roten, grünen, gelben und schwarzen Tomaten...

Verwertung und Verzehr

Tomaten sind wohl das vielseitigste Gemüse, das besonders in der mediterranen Küche nicht weg zu denken ist.

Sie schmecken roh in Salaten, z.B. mit Mozzarella als Caprese,

gekocht als Soße, Ketchup oder in der Suppe,

auf der Pizza oder zu Pasta,

gefüllt mit Käse, Reis oder Hackfleisch...

 

Habt ihr ein Lieblingsrezept? Dann her damit!

an info@gartenbauverein-lampoding.de

Fotos und Text 2021 © Theresia Stadler-Mayr


Kraut- und Braunfäule

Der Schreck ist groß, wenn sich fast über Nacht an den Tomatenpflanzen dunkelbraune und graue Flecken auf verschiedenen Pflanzenteilen zeigen. Lange Zeit war die Kraut- und Braunfäule kein Thema mehr. Doch große Regenmengen sorgen für die starke Ausbreitung des Schadpilzes. Auf eine große Tomatenernte werden dann viele verzichten müssen.

 

 

Die Kraut- und Braunfäule an Tomaten wird durch den Pilz Phytophthora infestans verursacht. Die Krankheit tritt meist ab Mitte Juli bei feuchter, kühlerer Witterung und vor allem im Freiland auf. Befinden sich mit der gleichen Krankheit befallene Kartoffeln in der Nähe, sind diese oft schon früher erkrankt und infizieren dann die Tomate. Wiederkehrende (stärkere) Niederschläge, hohe Luftfeuchte sowie Temperaturen wenig über 20 Grad lassen die Blätter kaum abtrocken, so dass sich der Pilz schnell ausbreiten kann. Feuchte Böden ab Mai, verbunden mit Düngung, hat die Pflanzen schnell wachsen lassen, so dass sie recht weiches Gewebe gebildet haben. Dieses ist dann anfälliger für Krankheiten wie die Kraut- und Braunfäule.

 

Ältere Blättern zeigen zunächst graugrüne Flecken, die sich grau bis schwarz verfärben und ineinanderfließen. Bei hoher Luftfeuchtigkeit bildet sich auf der Blattunterseite ein grauweißer Pilzrasen. Auch die Stängel werden befallen. Diese bekommen braune Flecken und werden dort brüchig. Empfindlich für eine Infektion sind auch die Früchte. Es entstehen braune, etwas eingesunkene harte Flecken, die tief in das Fruchtfleisch gehen. Die Früchte sind nicht genießbar und sind zu entsorgen.

 

 

Was tun bei Befall?

Sehen Sie erste Flecken, so können Sie die befallenen Pflanzenteile großzügig entfernen, mit der Hoffnung, dass es keine Neuinfektionen mehr gibt. Sind jedoch schon die Stiele der Tomaten mit dunkelbraunen Stellen übersät, so wird es mit der Tomatenernte nichts mehr werden und die Pflanzen sterben schnell ab. Entfernen Sie die ganzen Pflanzen sorgfältig und entsorgen Sie diese dann über die Biotonne. Gesunde grüne Tomatenfrüchte können noch nachreifen, wenn sie ihre Endgröße erreicht haben und schon von dunkel- auf hellgrün wechseln. Doch kontrollieren Sie täglich. Oft bemerkt man den Fruchtbefall mit Braunfäule erst nach ein paar Tagen.

 

 

Vorsorge für das nächste Jahr

Wichtig für den erfolgreichen Tomatenanbau ist auf alle Fälle ein weiter Pflanzabstand von mindestens 60 Zentimetern und ein konsequentes Ausgeizen, damit genügend Luft durchziehen kann und die Blätter möglichst trocken bleiben. Gießen Sie nur über den Boden und benetzen Sie die Blätter möglichst nicht. Besonders in Regionen, die öfter mit Niederschlägen rechnen, ist der Tomatenanbau unter einem Dach empfehlenswert. So bleiben die Pflanzen weitgehend trocken und es kann Wind durchziehen. Deshalb sollten auch die Seiten der Überdachungsvorrichtung offen bleiben, eventuell lediglich die Wetterseite geschlossen. Pflanzen Sie Tomaten und Kartoffeln möglichst weit auseinander, denn oft sind erst die Blätter der Kartoffeln befallen, bevor die Pilzsporen die Tomaten infizieren. Die Tomatenstäbe werden mit Seifenlauge gewaschen und vorsorglich im nächsten Jahr ein anderes Beet gewählt.

 

Die Nutzung von Folienhauben ist ungünstig. Es bildet sich schnell Schwitzwasser, was wiederum Pilzinfektionen begünstigt.

 

 

Text: © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim

http://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/wochentipps/279637/index.php, mit freundlicher Genehmigung an

https://www.gartenbauvereine.org/2021-gartentipp-woche-30/