Obstbäume veredeln

Der Nachbar hat eine wohlschmeckende Apfelsorte in seinem Garten oder man will eine alte Sorte retten?

Das wird möglich, wenn man Edelreiser von diesen Sorten zur rechten Zeit schneidet und im Frühjahr vor dem Austreiben auf gekürzte Äste bestehender Bäume veredelt. Wie das geht, zeigt uns eine Koryphäe der Baumveredelung, unser Markus Putzhammer.


Werkzeug

Dieses Werkzeug und Zubehör braucht man dazu: kleine Säge, eine Gartenschere, ein scharfes Messer, Bast und Veredelungswachs mit einem kleinen Spatel.


Die Edelreiser

Die Edelreiser sind 30 – 40 cm lange Wasserschosse, also einjährige unverzweigte Triebe, werden im Winter von Dezember bis Januar geschnitten und dunkel, kühl und feucht gelagert.

 

Vor der Blüte im April bis Anfang Mai, wenn das Wetter nicht zu kalt ist, kann die Veredelung durchgeführt werden.


Baum zurückschneiden

Als nächstes wird der bestehende Baum mehr oder weniger stark zurück geschnitten, je nachdem ob mehrere Sorten auf einem Baum wachsen sollen oder eine nicht tragende Sorte ersetzt werden soll. 

Mindestens 15 - 20 cm unter der Veredelungsstelle bleiben zwei Zugäste der Ursprungssorte in der Regel erhalten. Veredelt sollten nur die aufsteigenden Äste werden, die anderen werden großzügig entfernt.

 

Je nach Durchmesser der geschnittenen Aststümpfe kommen nun eine entsprechende Anzahl von Edelreisern zum Einsatz. Bei Ast-Durchmessern bis 2 cm sollte eines, bei entsprechend dickeren Ästen zwei bis drei Edelreiser angebracht werden.


Ast einschneiden

Nun wird je ein senkrechter 3-4cm langer Schnitt in die Astrinde geschnitten und leicht aufgebogen. 


Kopulationsschnitt

Der sogenannte 3-4 cm Kopulationsschnitt wird länglich schräg gegen über einem Auge angesetzt. 

Die Edelreiser werden nun auf ca. 10 cm lange Stücke frisch gekürzt, dabei müssen drei Augen, also Knospen enthalten sein. 


Sterile Schnittstellen

Wichtig und zu beachten ist, dass beide Schnittstellen nicht berührt werden, also steril bleiben. Anschließend wird das kurze Reiserstück in den Schnitt eingesteckt.


Bast

Mit dem Bast die Astenden mit den gesteckten Reisern gut umwickeln und verknoten.


Veredelungswachs

Mit dem Veredelungswachs werden alle Schnittstellen, also die Spitzen der Reiser und die umwickelten Stümpfe, eingestrichen. Das verhindert, dass Wasser eindringt aber auch, dass die Schnittstellen nicht austrocknen.


Fertig

Danke Markus für deine geschätzte und professionelle Hilfe.


Neue Austriebe

Rund 4-5 Wochen später haben bereits alle neuen Ästchen Austriebe.


"Schlafende" Augen

Im Juni in etwa sollten 10 bis 15 cm unterhalb der Veredelungsstellen neu austreibende Triebe von „schlafenden“ Augen entfernt werden, die sind von der Ursprungssorte und entziehen der neuen Sorte den Saft und schwächen diese.



Fotos und Text 2021 © Theresia Stadler-Mayr